German Jazz Trophy 2018German Jazz Trophy 2018 ging an Rolf und Joachim Kühn

Die Brüder Rolf und Joachim Kühn wurden mit der German Jazz Trophy 2018 ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert, sowie einer Statue des Stuttgarter Bildhauers Otto Herbert Hajek. Er wird verliehen von der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg, der neuen musikzeitung und JazzZeitung.de sowie der Kulturgesellschaft Musik+Wort e.V. Stuttgart.

Aus der Begründung der Jury:

Auch wenn sich die Lebenswege der Brüder zeitweilig trennten, kam es doch immer wieder zu fruchtbaren Begegnungen zwischen Rolf Kühn und seinem 15 Jahre jüngeren Bruder Joachim. In ihren außergewöhnlichen Karrieren spiegelt sich die deutsche und internationale Jazzentwicklung in besonderem Maße wieder. Sowohl den Klarinettisten Rolf als auch den Pianisten Joachim Kühn führte ihre Kunst hinaus aus den engen Grenzen der DDR und beide bezogen sich zeitlebens auf ihre musikalischen Wurzeln in der Bachstadt Leipzig, wo sie ihre ersten musikalischen Gehversuche unternommen hatten. Auf ihren Instrumenten sind Rolf und Joachim Kühn exzellente Könner, deren Virtuosität aber nie zum Selbstzweck wird, sondern sich immer einer überzeugenden musikalischen Aussage unterordnet. Es ist kein Zufall, dass beide Instrumentalisten auch als Komponisten mit jeweils ganz eigenem Gehalt hervorgetreten sind.

Rolf und Joachim KühnRolf Kühn (*29. September 1929 in Köln)

Rolf Kühn lernte ab 1937 das Klavierspiel. Weil er wegen seiner jüdischen Mutter nicht das Konservatorium besuchen durfte, wurde er heimlich von Privatlehrern unterrichtet. Bereits in jungen Jahren wurde er mit Musiktheorie und Kompositionslehre vertraut. 1941 unterrichtete ihn Hans Berninger, der Solo-Klarinettist des Gewandhausorchesters in Leipzig. Rolf Kühn fand in frühen Nachkriegsjahren durch die Pianistin Jutta Hipp zum Jazz, spielte im 1947 gegründeten Rundfunk-Tanzorchester Leipzig Saxophon und Klarinette und wechselte drei Jahre später zu RIAS Berlin. 1956 übersiedelte Kühn nach Amerika und gastierte in New York mit Caterina Valente. Von 1958 bis 1962 spielte der Klarinettist im Orchester von Benny Goodman und - als Nachfolger von Buddy DeFranco - anderthalb Jahre als Solo-Klarinettist bei Tommy Dorsey. 1962 kehrte Rolf Kühn nach Deutschland zurück und leitete das NDR-Fernsehorchester in Hamburg. Er spielte mit Albert Mangelsdorff und anderen als Solist bei den „German Allstars“, gleichzeitig entstanden ab den 1960er Jahren zahlreiche Schallplattenveröffentlichungen als Leader und Sideman auf renommierten Labeln wie Polydor, Vanguard Records, Brunswick Records, Amiga, Intercord, Impulse! Records und natürlich MPS.

Joachim Kühn (*15. März 1944 in Leipzig)

Sein herausragendes Handwerk hat Joachim Kühn im Rahmen seiner klassischen Ausbildung erlernt. Der Weg als Konzertpianist schien vorgezeichnet, doch wirkte der jazzige Einfluss des fast 15 Jahre älteren Bruders Rolf bestimmender. Erste Schritte in Richtung Jazz unternahm er mit bekannten DDR-Freejazzern wie Ernst-Ludwig Petrowsky, Klaus Koch und Klaus Lenz. Mit Mitte zwanzig trat Kühn bei Jazzkonzerten in Prag und Warschau auf und reiste 1966 zu einem von Friedrich Gulda organisierten Klavierwettbewerb nach Wien und lebte fortan im Westen Deutschlands. Dort fand er raschen Anschluss an die internationale Szene, spielte sofort mit seinem Bruder beim Jazzfest Berlin sowie beim Newport Jazz Festival, wurde frühzeitig als einer der wenigen weißen Musiker im Jazz als stilbildend akzeptiert.

Eine wichtige Visitenkarte dürfte damals das mit Rolf Kühn produzierte Album "Impressions of New York" (Impulse!) gewesen sein. Wer heute von europäischem Jazz spricht, meint immer auch Joachim Kühn. In den mehr als fünf Jahrzehnten, die er inzwischen auf der Szene tätig ist, gab es wohl kaum einen Stil, bei dem Kühn nicht an entscheidender Stelle die Pianohände im Spiel gehabt hätte. In seiner außergewöhnlichen Soloarbeit verbindet er Elemente von deutscher Spätromantik und französischem Impressionismus mit jazzgerechter Improvisation. Inzwischen beschäftigt sich Joachim Kühn auch wieder mit den Werken des Komponisten J.S. Bach.


Die Verleihung fand als Eröffnungsveranstaltung der jazzopen Stuttgart 2018 im Eventcenter SpardaWelt am 12. Juli 2018 um 19:00 Uhr statt.

Im Preisträgerkonzert waren Rolf und Joachim Kühn im Duo zu hören.


 

Kulturgesellschaft Musik+Wort e.V.   jazzZeitung.de   neue musikzeitung   Silberhorn Magazin   Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg


Preisträger 2018: Rolf & Joachim Kühn | Preisträger 2017: Abdullah Ibrahim | Preisträger 2016: Klaus Doldinger
Preisträger 2015: Ralph Towner | Preisträger 2014: Chris Barber | Preisträger 2013: Lee Konitz
Preisträger 2012: Monty Alexander | Preisträger 2011: Dave Holland | Preisträger 2010: Jacques Loussier
Preisträgerin 2009: Carla Bley | Preisträger 2008: Hugo Strasser | Preisträger 2007:
Jean-Luc Ponty
Preisträger 2006: Dick Hyman | Preisträger 2005: Kenny Wheeler | Preisträger 2004: Toots Thielemans
Preisträger 2003: Wolfgang Dauner | Preisträger 2002: Paul Kuhn | Preisträger 2001: Prof. Erwin Lehn

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